Klimaprotest Oktober

Klimaschutz und Landwirtschaft – Gegensatz oder Symbiose?

Rund 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zählte der 7. Waidhofner Klimaprotest, der sich dieses Mal speziell der Landwirtschaft widmete. Trotz herbstlicher Witterung und Temperaturen brachten die engagierten Bürgerinnen und Bürger ihre Forderung, nach einer besseren Klimapolitik lautstark zum Ausdruck. Der Fokus war dieses Mal auf die Landwirtschaft gerichtet.

Klimaschutz und Ernährung wird oft mit der Forderung verbunden, den Konsum von tierischen Produkten einzudämmen. Weiters wird in der Öffentlichkeit oft die Landwirtschaft als Hauptverursacher und Schuldiger in der Debatte um die Klimakrise genannt. Gleichzeitig betrifft die Klimakrise selten eine Gruppe so stark wie die Landwirte. Langanhaltende Dürreperioden mit dem Ausfall von Futtermittel, Borkenkäfer- und Engerlingbefall, sowie das Ansteigen von Krankheiten im Tierbestand scheinen nur wenige der vielen Auswirkungen des veränderten Klimas zu sein.

Es liegt daher auf der Hand, dass vor allem Landwirte von einem sinnvollen Klimaschutzprogramm profitieren würden. Wie aber Klimaschutz und Landwirtschaft unter einen Hut bringen?

Beim 7. Klimaprotest in Waidhofen wurde genau das versucht. Die Hauptforderung an die Politik an diesem Tag war, Maßnahmen zu setzen, die es erlauben, dass Landwirte gezielt und schrittweise weg von industrieller Landwirtschaft mit Massentierhaltung und hohem Pestizideinsatz kommen, hin zu kleinstrukturierter, biologischer Produktionsweise. Was kompliziert klingt scheint doch so einfach, denn gerade die kleinstrukturierte Landwirtschaft, die es auch auf vielen Höfen im Mostviertel gibt, kann der Schlüssel für eine sinnvolle Klimapolitik  sein. Das Ziel kann nicht sein, dass die Gesellschaft auf Fleisch und sonstige tierische Produkte zur Gänze verzichtet, sondern dass die Konsumenten Lebensmittel, die regional und damit umweltfreundlicher hergestellt wurden, den Produkten aus dem Ausland vorziehen.

„Der Konsument entscheidet, zu welchem Produkt er greift und welche Art der Landwirtschaft er damit fördert“, so Erich Gruber, Biobauer aus St. Georgen. Doch nicht nur der Konsument kann seinen Beitrag leisten, auch die Politik wurde beim 7. Klimaprotest aufgefordert, das Steuer- und Anreizsystem so zu verändern, dass nachhaltige Landwirtschaft möglich gemacht wird und auch finanziell attraktiv ist. „Das regionale, biologisch produzierte Lebensmittel muss in Zukunft im Supermarkt das billigste sein! Nicht weil der Landwirt dahinter schlecht bezahlt wird, sondern weil Steuern dafür sorgen, dass Waren aus Massentierhaltung oder aus Übersee vergleichsweise teurer werden!“, forderte Georg Wagner während des Protestzugs. „Auch wenn Futterzukauf, Schadholzaufarbeitung und Schädlingsbekämpfung zum täglichen Geschäft gehören und Bauern und Bäuerinnen bereits von den direkten Folgen des Klimawandels betroffen sind, zeigt sich Klimaschutz nicht ausschließlich als Herausforderung, sondern auch als große Chance, vor allem für die regionale Landwirtschaft. Eine Bepreisung von CO2 könnte kleinstrukturierte, nachhaltige Produktionsformen stärken und weg von langen Transportwegen führen. Das schützt nicht nur unser Klima sondern bietet auch unseren heimischen Betrieben eine Überlebensgrundlage. Was die Bauern und Bäuerinnen zu Verbündeten und nicht zu Gegnern des Klimaprotestes macht“, so Michaela Steinkellner, Bäuerin aus Konradsheim.

Monika Wegscheider und Bert Heigl widmeten sich als Vertreter des Weltladens Waidhofen in ihrem Beitrag einem Genussmittel, das fast jeder kennt, auch wenn es auf entfernten Kontinenten wächst: dem Kaffee. Gerade weil Produkte wie Kaffee und Schokolade nicht regional hergestellt werden können, ist es wichtig auf sozial- und umweltverträgliche Herstellung zu achten. Eine Kostprobe des „Coffee for future“ wurde gegen heimisch hergestellte Kletzenbirne und frischen Apfelsaft getauscht und erfreute sowohl die jungen als auch die älteren Demonstrationsteilnehmer. Eingeheizt wurde den Demonstranten durch die Trommlergruppe „All‘ Dembes“ aus Allhartsberg. Sie sorgten mit ihren Rhythmen für gute Stimmung und positive Energie und Schwung.

Bei „herrlich regnerischem Wetter“, wie ein Landwirt eingangs bemerkte, blieb die Gewissheit, dass Klimapolitik die Standortpolitik der Landwirtschaft in Österreich ist und sein muss und die Veränderung nur mit, durch und von den Landwirten bewerkstelligt werden kann. „Wir laden alle Bauern und Bäuerinnen aus der Region deshalb ein, mit uns eine bessere Klimapolitik zu fordern. Gemeinsam können wir die Kurve noch kratzen!“, so Moderatorin Julia Bösendorfer zum Abschluss.

Forderungen

8. Veränderung der Anreizsysteme in der Agrarpolitik: Gezielte, schrittweise Steuerung weg von industrieller Landwirtschaft mit Massentierhaltung und hohem Pestizideinsatz hin zu kleinstrukturierter, biologischer Produktionsweise.

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