Vorsorgen oder zahlen?

Kritischer Blick auf die österreichische Klimapolitik


Was ist besser? Früh genug das Richtige zu tun oder später teuer die Fehler zu bezahlen? Jeder vernünftige Mensch wird wohl sagen, es sei eindeutig besser, einen ersten Wasserschaden im Dach sofort zu reparieren, als Jahre später mit viel Geld eine Generalsanierung des Dachstuhles bezahlen zu müssen. Ernste Mängel im Bremssystem des eigenen Autos wird wohl jeder sofort zu beheben versuchen, anstatt bei einem dadurch verursachten Unfall zu hohen Folgekosten verpflichtet zu werden. Im Gesundheitssystem ist  VORSORGEN überhaupt zu einem durchgängigen sinnvollen Prinzip geworden, das in Summe gesehen enorme Kosten sparen kann.

Was im normalen Lebensalltag so eindeutig ist, gilt für die Klimapolitik in Österreich offensichtlich nicht. Wie die PRESSE vom 29. Juli dieses Jahres berichtet, drohen der Republik Österreich ab 2030 Strafzahlungen in der Höhe von sechs bis neun Milliarden Euro, wenn sie ihren bisherigen mangelhaften Klimapfad beibehält und damit die Klimaschutzziele verfehlt.  Selbst im Umweltministerium werde mit diesen Strafzahlungen gerechnet. Im gleichen PRESSE-Artikel wird über den Vorschlag des früheren ÖVP-Wirtschaftsministers Harald Mahrer berichtet. Er schlägt angesichts der offensichtlichen Verfehlungen in der österreichischen Klimapolitik der letzten Jahre gar vor, die drohenden Strafzahlungen sollten ab sofort ins Budget eingepreist werden, damit mehr Druck auf die politisch Verantwortlichen entsteht.

Als klimabesorgter Bürger dieses Landes stehe ich nur kopfschüttelnd da und denke: „Was geht in den Verantwortlichen für dieses Desaster nur vor? Wie kann man Strafzahlungen in dieser Höhe wissentlich in Kauf nehmen, nur weil sie erst ab 2030 anfallen?“ Meine Forderung und Ermutigung angesichts solcher Unsinnigkeiten ist aber klar: „Verantwortliche der österreichischen Klimapolitik, steigen Sie schnell rauf  auf den löchrigen  Dachstuhl! Beginnen Sie sofort mit der Sanierung. Die Klimawissenschaft sagt seit Jahren in aller Deutlichkeit,  was zu tun ist. Fangen Sie endlich an! Die feuchten Flecken an den Mauern, die durch Untätigkeit entstanden sind, mindern bereits den Wert des Hauses und machen es in einigen Räumen schon unbewohnbar.“ Ich möchte in einem Land leben, in dem verantwortlich vorgesorgt wird und die Folgen der Untätigkeit nicht den Nachfolgegenerationen aufgelastet werden. 

Der nächste Waidhofner Klimaprotest am 7. September wird die Forderung nach einem sofortigen wirkungsvollen gesamtösterreichischen Klimaschutzprogramm  wieder öffentlich an die Verantwortlichen richten.


Von

Dr. Hermann Wagner

Lehrer und Organisator der Waidhofner Klimaproteste