Man kann wichtiges verschlafen!

Eine spannende Erfahrung im Schladminger Untertal


Von Schladming durchs Untertal zu den Riesachwasserfällen ist es eine herrliche Wanderung entlang eines glasklaren Baches und an Naturmooren vorbei. Eine fantastische Naturlandschaft, die dann hinten im Tal in den spektakulären Riesachfällen mündet, über die man weiter aufwärts zum Riesachsee, der Preintalerhütte und den Klafferkesseln wandern kann. Vor den Riesachfällen im Talschluss befindet sich ein Riesenparkplatz mit hunderten PKW- und auch Busabstellplätzen. An schönen Tagen fahren hunderte, wahrscheinlich tausende mit PKWs von Schladming die 12 Kilometer dorthin und wieder zurück, obwohl es auch einen öffentlichen Busverkehr im Stundentakt gibt. Ich habe im Kaffeehaus beim Wasserfalleingang die Kellnerin gebeten, sie möge ihrem Bürgermeister meinen Wunsch weitersagen, dass man in dieses herrliche Tal doch nicht an jedem schönen Tag eine wahre Lawine von Autos reinfahren lassen sollten, sondern den Touristenverkehr doch mit den Öffis organisieren möge. Grob überschlagen gibt das bei 1000 Autos am Tag einen CO2-Ausstoß von rund 4-5 Tonnen. Daraufhin hat uns ein Ehepaar vom Nachbartisch angesprochen und uns folgendes erzählt: In den 1990-iger Jahren hatten sie mit anderen hellwachen Gemeindebürgern/innen ein fertiges Konzept zur Umstellung des Verkehrs im Tal mit E-Bussen ausgearbeitet. Zwei deutsche Autofirmen hatten angeboten, mit ihren Elektrobussen in dieses Verkehrs-Pilotprojekt fix einzusteigen. Genau das, was ich als Wunsch geäußert hatte, lag zur Abstimmung vor über 20 Jahren schon in der Gemeindestube. Die Abstimmung ist mit rund 70 Prozent dagegen ausgegangen. Auf meine Frage warum bekamen wir die Antwort: „Den meisten im Gemeinderat und auch im Tal war das damals einfach egal!“

Ich dachte noch lange darüber nach und ziehe daraus folgende Schlüsse: Menschen, Regionen, Verantwortliche können wichtige Dinge und Entwicklungen einfach verschlafen, weil sie sich mit der Ernsthaftigkeit eines Anliegens zuwenig intensiv auseinandersetzen. Wieviele tausende Tonnen Treibausgase wurden durch diese Fehlentscheidung der örtlichen Verantwortungsträger sinnlos ins Tal emittiert? Ich konnte es fast nicht glauben. Wie innovativ und klimagerecht könnten die Gemeinden der Region  mit der Umsetzung der damaligen Initiative heute dastehen? Man kann nur den Kopf schütteln.

Ich denke, wir haben heute viel zu tun, damit angesichts der Klimaherausforderungen in den Landtagen, Gemeindestuben, in den Regierungsklausuren und im Parlament das Wichtigste nicht verschlafen wird – durch Vertrösten, Schönreden, nicht wirklich wahrhaben wollen, Bequemlichkeit, falsche Rücksichtnahmen, zu wenig ernsthafte Auseinandersetzung. Bleiben wir hellwach!


Von

Hermann Wagner

Lehrer und Organisator der Waidhofner Klimaproteste